Unternehmen mit Nachholbedarf bei „Soft Skills“

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Unternehmen mit Nachholbedarf bei „Soft Skills“

Die fortschreitende Digitalisierung verlangt Arbeitnehmern neue Fähigkeiten ab. Unter dem Begriff „Emotionale Intelligenz“ subsumiert, sind sie ein Schlüssel zum Erfolg im und damit auch von Unternehmen. Aktuelle Personalprozesse zielen allerdings nicht darauf ab, diese Fähigkeiten zu entwickeln, offenbart eine Studie des Capgemini Research Institutes.

Mitarbeiter von Morgen müssen neben kognitiven und akademischen Kompetenzen über eine emotionale Intelligenz (EI) verfügen. Sie befähigt dazu, eigene und fremde Gefühle korrekt wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Dies erfordert Selbstreflexion und Empathie, soziales Bewusstsein und Beziehungsmanagement – gemäß einer Studie der Unternehmensberatung Capgemini Schlüsselkompetenzen im digitalen Zeitalter.

 

Mitarbeiter müssen ihre Fähigkeiten ausbauen

Für die Studiehatte das Capgemini Research Institute in elf Ländern 750 Führungskräfte großer Unternehmen und 1.500 Mitarbeiter interviewt. Weltweit ist jeder sechste Manager – in Deutschland lediglich 45 Prozent – davon überzeugt, dass emotionale Intelligenz im Berufsalltag mittelfristig unverzichtbar sein wird. Immerhin 72 Prozent der Führungskräfte hierzulande glauben, dass Mitarbeiter ihre emotionalen Fähigkeiten ausbauen müssen.

 

Automatisierung und KI verändern Stellenprofil

Nur dies versetze sie in die Lage, Aufgaben zu übernehmen, die nicht automatisierbare Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Einflussnahme und Teamarbeit erfordern. Umso größer ist die Verunsicherung unter den Mitarbeitern: Fast jeder Dritte befürchtet, dass sein Tätigkeitsfeld durch Automatisierung und künstliche Intelligenz (KI) wegfallen könnte – ein Anstieg von zehn Punkten gegenüber der letzten Erhebung von vor zwei Jahren.

 

Personalprozesse spiegeln „EI“-Relevanz nicht

Den Unternehmen sei „zunehmend bewusst, dass sie die Kompetenzen von Mitarbeitern mit ausgeprägter emotionaler Intelligenz brauchen“, betont Claudia Crummenerl, Expertin für HR Transformation bei Capgemini Invent. Allerdings bewegten sie sich nicht schnell genug, um angemessen in sie zu investieren. Wie die Ergebnisse der Studie bestätigen, spiegeln die Personalprozesse die steigende Relevanz von „EI“ derzeit meist noch nicht.

 

Nicht einmal jedes zweite Unternehmen fördert

Lediglich 46 Prozent der Unternehmen in Deutschland bieten entsprechende Trainings für Senior- und mittleres Management sowie für Führungskräfte an. Bei den Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung liegt die Quote bei 31 Prozent. Dabei sind sie besonders von der Automatisierung betroffen. Tatsächlich spielen emotionale Fähigkeiten hierzulande bisher im Einstellungsprozess oder bei Mitarbeiterbeurteilungen eine untergeordnete Rolle.

 

„EI“ in Rekrutierung, Training und Kultur verankern 

Nach Auffassung der Studienautoren müssen Unternehmen die emotionale Intelligenz in den Bereichen Rekrutierung, Training und Kultur priorisieren. Ansätze dafür sehen sie in der Ergänzung bestehender Lernprogramme um „EI“-Module und in der Modifikation von Rekrutierungsprozessen, um eine Bewertung der emotionalen Intelligenz zu ermöglichen. Daneben sollte „EI“ bei Beförderung und Entlohnung der Mitarbeiter einbezogen werden.

Bildnachweise: © iStock / Karlis Dambrans

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