Trumpfkarte für Arbeitgeber

Unternehmensjurist

Trumpfkarte für Arbeitgeber

Ein „grünes“ Image verspricht Arbeitgebern auch auf dem Jobmarkt Wettbewerbsvorteile. Sie locken mit Fuhrparks aus Elektrofahrzeugen und E-Bikes, die sie den Mitarbeiter teils sogar zur Privatnutzung überlassen. In der Praxis gibt es dafür unterschiedliche Modelle. Bei deren Ausgestaltung müssen Syndizi allerdings wichtige Aspekte beachten.

Ob aus innerer Überzeugung oder unter dem gesellschaftlichen Druck: Über alle Sektoren hinweg macht es sich die Wirtschaft zur Pflicht, umweltbewusst aufzutreten. Fördergelder und Steuervorteile erleichtern ihr den Schritt – etwa auf dem Weg hin zur Elektromobilität. Immer mehr Firmen stellen ihre Fuhrparks daher auf E-Fahrzeuge und E-Bikes um. Neben einer verbesserten Öko-Bilanz verheißt dies eine höhere Attraktivität als Arbeitgeber.

 

E-Fuhrpark als Lockmittel für Mitarbeiter 

Denn vor allem neue Mitarbeiter achten verstärkt darauf, welches Image ein Unternehmen hat und welche besonderen Leistungen es bietet. Ein elektrisch betriebener Firmenwagen oder ein E-Bike – in manchem Fall auch zur privaten Überlassung – kann da durchaus als Lockmittel dienen. Denn je nach Konzept beteiligt sich der Arbeitgeber an den Kosten oder stellt Mitarbeitern in einem Abo-Modell situativ das jeweils bevorzugte E-Vehikel bereit.

 

Politik stellt zahlreiche Fördertöpfe bereit 

Die Politik fördert solche Initiativen erheblich. Liegt der Nettolistenpreis unter 40.000 Euro, gibt es für den Kauf eines Stromers oder Plug-in-Hybrids bis zu 6.000 Euro Prämie. Auch bei der Besteuerung des geldwerten Vorteils ist die Flotte privilegiert: Der Satz für E-Autos und Hybridfahrzeuge liegt bei lediglich 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises. Angesichts der hohen Anschaffungskosten ist die jährliche Ersparnis hier nicht zu unterschätzen.

 

E-Bikes mit Privatnutzung teils steuerfrei

Stellt der Arbeitgeber seinen Angestellten zusätzlich zum Gehalt ein E-Bike mit maximal 25 km/h Höchstgeschwindigkeit für die private Nutzung zur Verfügung, ist überhaupt kein geldwerter Vorteil zu versteuern. Bei schnelleren Stromrädern gelten die Regeln für die Dienstwagenbesteuerung. Ob sich Kauf oder Leasing mehr lohnt, hängt vom Gehalt des Mitarbeiters und dem Preis des Bikes ab: je höher beides, desto attraktiver das Leasing.

 

„Pool“-Autos und -Bikes gute Alternative

Interessant ist ein „Abo-Modell“, bei dem Beschäftigte situativ auf ein E-Vehikel ihrer Wahl umsteigen können. Und „Pool“-Fahrzeuge oder -Bikes können eine attraktive Alternative zur Dienstwagenüberlassung sein. Bei letzteren ist diese Lösung etwa von Vorteil, wenn Mitarbeiter kündigen, in Elternzeit oder ein Sabbatical gehen. Die Räder werden weiterhin genutzt, das Unternehmen bleibt nicht auf Leasingvertrag und individuellem Bike sitzen.

 

Ladepunkt und -kosten bergen Risiken

Fallstricke gibt es bei der Frage, wo die Fahrzeuge geladen werden. Vorsicht geboten ist, wenn der Arbeitgeber die Ladestation kauft und sie beim Mitarbeiter einbauen lässt. Das Unternehmen trägt dann Kosten und Risiken. Es haftet als Betreiber einer elektrischen Anlage für deren Zustand – und schlimmstenfalls für dadurch entstehende Schäden. Soll ein Mitarbeiter auf eigene Kosten laden und abrechnen, kann auch das schwierig werden.

 

E-Mobilität erfordert Rechtsgrundlage

E-Mobility erfordert eine Rechtsgrundlage in Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag. Experten raten zu einer betrieblichen Regelung, etwa einem Verweis in der Dienstwagenverordnung. Neben Fingerspitzengefühl braucht es viel Verständnis für die steuerrechtliche Komponente. Am Ende müssen Unternehmen möglichen Imagegewinn und Steuervorteile gegen hohen Verwaltungsaufwand und Mehrkosten abwägen.

  

Mehr zum Thema und zu Erfahrungen von Syndizi mit Blick auf Rechtsfragen rund um Elektromobilität lesen Sie in der Ausgabe 1/20 des unternehmensjurist ab Seite 42.

Bildnachweise: © iStock / Olivier Le Moal

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