Skiabfahrt während Dienstreise nicht unfallversichert

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Skiabfahrt während Dienstreise nicht unfallversichert

Werden Kunden von Unternehmen zu Reisen eingeladen, ist oft der Nachweis schwierig zu führen, dass es sich um eine – steuerlich absetzbare – Dienstreise handelt. Soweit es sich um eine Freizeitaktivität handelt und der Teilnehmer verunglückt, ist er jedoch nicht unfallversichert. Das entschied das Hessische Landessozialgericht (Az. L 9 U 188/18).

Der Geschäftsführer eines Fachhandelsunternehmens organisierte auf Anweisung seines Arbeitgebers für Firmenkunden eine sechstägige Skitour nach Aspen in Colorado/USA. Im Fokus solcher, vom Unternehmen regelmäßig durchgeführter Reisen, steht die nachhaltige Kundenbindung. Während der Reise stürzte der Geschäftsführer bei einer Skiabfahrt sehr unglücklich und brach sich den Oberschenkel. Er wurde noch in den USA operiert.

 

Berufsgenossenschaft verweigert Zahlung

Die im Nachgang in Anspruch genommene Berufsgenossenschaft verweigerte jedoch die Regulierung. Der Sturz beim Skifahren sei nicht als Arbeitsunfall anzuerkennen, da es sich um eine reine Freizeitbetätigung gehandelt habe. Unerheblich sei, dass die Aktivität in eine Veranstaltung eingebettet gewesen war, die dienstlichen Belangen gedient habe. Für den betroffenen Geschäftsführer war dies nicht nachvollziehbar, er klagte gegen den Bescheid.

 

Kein Zusammenhang mit der Haupttätigkeit

Doch das Sozialgericht Wiesbaden folgte der Auffassung der Berufsgenossenschaft und wies die Klage des 50-Jährigen ab. Auch in der Revision hatte er keinen Erfolg, denn das Hessische Landessozialgericht hielt die Klage ebenfalls für unbegründet. In ihrem Urteil betonten die Darmstädter Richter, das Skifahren habe „in keinem inneren oder sachlichen Zusammenhang mit der nach § 2 Abs. 1 Sozialgesetzbuch VII versicherten Tätigkeit“ gestanden.

 

LSG bezweifelt auch Dienstreise-Charakter

Skifahren gehöre „offenkundig nicht“ zu den arbeitsvertraglich geschuldeten Pflichten des Geschäftsführers. Auch habe ihm sein Arbeitgeber keine ausdrückliche Weisung erteilt, an den Skiabfahrten teilzunehmen. Im Übrigen, bemerkte das Hessische Landessozialgericht, sei fraglich, ob es sich beim Skitrip nach Aspen überhaupt noch um eine Dienstreise oder nicht vielmehr um eine Motivations- beziehungsweise Incentive-Reise gehandelt habe.

 

Skiabfahrt „privatwirtschaftliche Verrichtung“

Aus Sicht der Richter habe das Skifahren im Mittelpunkt der Reise gestanden, es sei laut Flyer sogar der einzige Programmpunkt gewesen. „Nach alledem stellt sich die Teilnahme des Klägers an der unfallbringenden Skiabfahrt als privatwirtschaftliche Verrichtung dar“, entschied das Hessische Landessozialgericht. Sie habe „daher nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung“ gestanden. Eine Revision hat das LSG nicht zugelassen.

Bildnachweise: © imago images / Panthermedia

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