„Scrum“ und „Kanban“ halten Einzug

Unternehmensjurist

„Scrum“ und „Kanban“ halten Einzug

Aus der Software-Entwicklung und der Fertigungsindustrie heraus finden „Scrum“ und „Kanban“ ihren Weg in die Rechtsabteilungen. Die so genannten agilen Arbeitsmethoden helfen, Prozesse zu optimieren und damit fokussierter zu im Idealfall besseren Ergebnissen zu kommen. Juristen liegt diese Systematik, ihr Einsatz erfordert jedoch Mut und Flexibilität.

Die Arbeit in der Rechtsabteilung unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Software-Entwicklung. Was beide jedoch oft gemeinsam haben, ist die Großzahl von Anfragen aus dem gesamten Unternehmen, deren Bearbeitung ein gutes Projektmanagement erfordert. Dies effizient zu halten, ist für IT-Spezialisten und Juristen immer wieder eine Herausforderung. Agile Arbeitsmethoden wie „Scrum“ und „Kanban“ lenken den Blick auf das Wesentliche.

 

Ansatz bei Projektmanagement und Prozesssteuerung

„Scrum“ hat seinen Ursprung in den USA und bildet einen Rahmen für komplexe adaptive Aufgabenstellungen. Die Mitarbeiter werden befähigt, produktiv und kreativ Ergebnisse mit höchstmöglichem Wert zu liefern. Faktisch ist „Scrum“ ein Modell für verbessertes Projekt- und Produktmanagement. Bei „Kanban“ aus Japan handelt es sich um ein System zur flexiblen, dezentralen Prozesssteuerung, fokussiert auf die Fertigstellung von Projekten.

 

Störungen reduzieren, unproduktive Arbeit vermeiden 

Konkret soll „Kanban“ den Arbeitsfluss innerhalb des Teams optimieren. Aufgaben werden priorisiert und auf Basis der jeweils verfügbaren Kapazitäten verteilt. Wesentlich ist dabei, Störungen und Unterbrechungen zu reduzieren und unproduktive Parallelarbeit möglichst zu vermeiden. Jeder im Team weiß um den Status der Projekte, wird fallweise in Lösungen mit einbezogen. So ist der Spezialist am Ende immer auch ein Stück weit Generalist.

 

Agiles Arbeiten erfordern Vertrauen und Selbstführung

Geteiltes Wissen, enger Austausch, fokussiertes Arbeiten: „Kanban“ zielt darauf ab, mit derselben Mannstärke so schnell wie möglich gute Ergebnisse zu liefern. Entscheidend für das Gelingen halten Experten allerdings gegenseitiges Vertrauen. Und es bedarf eines anderen, nicht auf Kontrolle und Einschränkung ausgerichteten Führungsverständnisses. Das mag insbesondere zum Start der Methode nicht jeder Führungskraft leicht fallen.

 

Die ersten Schritte der Umsetzung sehr bewusst wählen

Es gibt einige Vorreiter, doch die Mehrzahl der Mitarbeiter in Rechtsabteilungen hat bisher oft wenig Erfahrung mit – oder auch nur Kenntnis von – agilen Arbeitsmethoden. Wichtig erscheint deshalb, die ersten Schritte der Implementierung ganz bewusst zu wählen, um eher kritische Kollegen nicht zu überfordern und die Vision, die die Führungskraft mit „Kanban“ oder „Scrum“ realisieren will, zu definieren und dann klar zu kommunizieren.

 

Nicht jeder Syndikus hält „Scrum“-Methode für hilfreich

Während die „Kanban“-Methode auf reges Interesse und im Verlauf auch schnell auf breite Akzeptanz stößt, begegnet mancher Syndikus der „Scrum“-Methode für seinen Bereich mit Zurückhaltung. Gerade überall dort, wo sich die Zusammenstellung von unaufschiebbaren Aufgaben in relativ kurzen Abständen stark verändert, ist „Scrum“ nur bedingt für die Arbeit einer Rechtsabteilung sinnvoll. „Kanban“ zielt stärker auf das individuelle Verhalten ab.

 

Systematik hinter „Kanban“-Methode liegt Juristen mehr

Insbesondere Juristen liegt die Systematik, die hinter dieser agilen Arbeitsmethode steckt. Dennoch ist es für manchen zunächst ungewohnt, als Gruppe gemeinsam eine Vision zu entwickeln. Bisweilen müssen erst einmal innere Widerstände überwunden und geäußerte Irritationen ausgeräumt werden. Dann aber sind die Weichen für die Abteilung gestellt, um sich weiterzuentwickeln und effizienter zu werden, ohne an Effektivität zu verlieren.

 

 Mehr zum Thema und zu praktischen Erfahrungen von Syndizi beim Einsatz von agilen Arbeitsmethoden lesen Sie in der Ausgabe 1/20 des unternehmensjurist ab Seite 66.

Bildnachweise: © iStock / MicrovOne

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