Scheinbewerbung verwirkt Entschädigungsanspruch

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Scheinbewerbung verwirkt Entschädigungsanspruch

Kandidaten für eine Stellenausschreibung dürfen nicht wegen persönlicher Merkmale wie ihrer ethnischen Herkunft, des Geschlechts oder einer Behinderung benachteiligt werden. Wer es mit seiner Bewerbung allerdings darauf anlegt, einen Diskriminierungsverdacht zu provozieren, hat keinen Anspruch auf Entschädigung, urteilt das Arbeitsgericht Bonn.

Vor der neuen Arbeitsstelle steht regelmäßig ein oft als einigermaßen lästig empfundenes Auswahlverfahren. Hierzu gehört eine überzeugende Bewerbung, die formal korrekt, aber gleichwohl individuell verfasst sein muss. Unbedingt sollte das Schreiben deutlich machen, was den Bewerber für die ausgeschriebene Stelle qualifiziert und welches seine Motivation ist, sich ausgerechnet beim betreffenden Unternehmen auf diese Position zu bewerben.

 

Position erfordert konkrete Qualifikationen

Im konkreten Fall suchte eine von Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer getragene Qualifizierungseinrichtung per „Jobbörse“ der Bundesagentur für Arbeit einen „Fachanleiter aus den Bereichen Küche/Hauswirtschaft/Nähen“. Unter den 15 Bewerbern war auch ein 73-jähriger Rentner. In seinem Schreiben schränkte er ein, im Bereich Nähen nicht qualifiziert zu sein. Zudem bat er, ihm eine Unterkunft in Betriebsnähe zu stellen.

 

Abgelehnter Kandidat fühlt sich diskriminiert

Letztlich lud das Unternehmen fünf Bewerber zu einem persönlichen Gespräch ein; wie neun weitere Kandidaten erhielt auch der Rentner eine Absage. Hiergegen klagte er auf eine Entschädigungszahlung, weil seine Nichtberücksichtigung nach seinem Dafürhalten von sachfremden Gründen geleitet war und er sich durch sein Alter diskriminiert sah. Doch das angerufene Arbeitsgericht in Bonn wies die Klage als unbegründet ab (Az.: 5 Ca 1201/19).

 

Arbeitsgericht verneint Ansprüche nach AGG 

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)schützt vor einer Benachteiligung aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. Einen davon abgeleiteten Anspruch könne der Kläger jedoch nicht geltend machen, urteiltendie Richter. Vielmehr habe er mit seiner Bewerbung eine Entschädigung provozieren wollen.

 

Nicht auf Stelle, allein auf Entschädigung aus 

Nach Ansicht des Gerichts konnte der Rentner keine Indizien darlegen, die für die von ihm unterstellte Diskriminierung wegen des Alters sprechen. Es sei ihm nicht ernsthaft um die Stelle gegangen, sondern einzig um eine Entschädigung. Ihre Einschätzung begründeten die Richter unter anderem damit, dass das Bewerbungsanschreiben keine Ausführungen zu der Qualifikation des Mannes oder derMotivation für seine Bewerbung enthalte.

 

Verhalten laut Gericht rechtsmissbräuchlich 

Mit seinem Schreiben habe der Kläger nur die formale Position eines Bewerbers i.S.v. § 6 Abs. 1 Satz 2 AGG erlangen wollen. Zudem sei sein Verhalten rechtsmissbräuchlich. Mit der eigenwilligen Forderung eines vom Arbeitgeber gestellten Appartementsin der Nähe des Betriebes habe der Rentner eine Absage einkalkuliert. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Gegen sie kann Berufung beim Landesarbeitsgericht Köln eingelegt werden.

Bildnachweise: © iStock / Stadtratte

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