Rapper „Cousin JMF“ scheitert gegen Netflix

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Rapper „Cousin JMF“ scheitert gegen Netflix

Der Streaming-Anbieter Netflix darf „Skylines“ weiterhin online verbreiten. Musikproduzent und Rapper Jan Lehmann, der unter dem Pseudonym „Cousin JMF“ auftritt, sah durch die Serie Persönlichkeits- und Markenrechte verletzt. Doch der Durchschnittsbetrachter könne Fiktion und Realität unterscheiden, so das Oberlandesgericht Frankfurt (Az.: 16 W 56/19).

Serie benutzt bekannte Muster

Aus dramaturgischen Gründen sind Handlungen in Filmen häufig an realen Personen und Ereignissen orientiert. So war es auch im Falle der Netflix-Serie „Skylines“. Diese spielt in Frankfurt am Main und erzählt die Geschichte des fiktivenMusik-Labels„Skyline Records“ und dessen Verbindung zur organisierten Kriminalität. Protagonistist der Hip-Hop-Musiker und Produzent „Jinn“, der von „Skyline Records“-Boss „Kalifa“ entdeckt und gefördert wird.

 

Rapper klagt auf Unterlassung

Jan Lehmann alias „Cousin JMF“ monierte die bewusste Anlehnung an seine eigene Vita und klagte noch vor dem Start der Serie Ende September 2019 auf Unterlassung vor dem Landgericht Frankfurt. Die Tatsache, dass er selbst seit dem Jahr 2003 ein gleichnamiges Label betreibe und in der Netflix-Serie Parallelen zur Wirklichkeit erkenne, verletze seine Marken- und Persönlichkeitsrechte, begründete Lehmann. Doch die Klage scheiterte.

 

OLG bestätigt Vorinstanz-Urteil

Auch seine Revision vor dem Oberlandesgericht blieb erfolglos. Die Verbreitung der Serie „Skylines“ sei „durch die Kunstfreiheit geschützt“, entschieden die Frankfurter Richter. Die Anknüpfungspunkte der Serie an Lehmanns Werden und Wirken führten außerdem nicht zu einer Verdichtung, wonach „Kunstbild und Urbild der Figuren nicht mehr voneinander unterscheidbar“wären, heißt es in einer Mitteilungder OLG-Pressestelle.

 

Ähnlichkeiten nicht von Gewicht

Es gebe durchaus Übereinstimmungen zwischen Lehmann und den Serien-Protagonisten. Diese seien jedoch „nicht von solchem Gewicht, dass für den Durchschnittsbetrachter der Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit aufgehoben“ werde. Die Richter sahen „das Individuelle, Persönlich-Intime zu Gunsten des Allgemeinen, Zeichenhaften der Figuren und der Firma genügend objektiviert“. Auch die Machart der Serie betone die Fiktionalität.

 

Fiktionalität jederzeit erkennbar

Sie sei „in so hohem Maß von Gewaltexzessen, extremer Brutalität und schwerwiegenden Verbrechen und kriminellen Handlungen“ geprägt, dass der durchschnittliche Zuschauer hierin eine für dieses Genre typische filmische Übertreibung und Überzeichnung erkenne, mit der die Produzenten allein Aufmerksamkeit wecken und fiktionale Spannung erzeugen wollten, so die Richter. Das Verbreitungsinteresse stehe über persönlichen Rechten.

Rapper hatte schon früh Kenntnis

Der Antragsteller könne auch nicht Unterlassung wegen Verletzung seines Rechts an dem Unternehmenskennzeichen „Skyline Records“ verlangen. Diesem falle laut Markengesetz zwar Unternehmenskennzeichen- und Titelschutz zu. Für den Erlass einer einstweiligen Verfügung fehle es aber an der für eine Eilregelung erforderlichen Dringlichkeit. Lehmann wusste bereits gut ein Jahr vor seiner Klage, dass Netflix das Kennzeichen nutzen wolle.

Bildnachweise: © iStock / GoodLifeStudio

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