Nichtanwaltliche Arbeitgeber ziehen Nachwuchs an

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Nichtanwaltliche Arbeitgeber ziehen Nachwuchs an

Bundesweit steigen die Zulassungszahlen bei Syndikus-Anwälten seit Jahren signifikant an. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte. Passt die Arbeit in einer Rechtsabteilung besser zu den Ansprüchen und der Lebensplanung junger Juristen? Anders als eine Kanzlei verheißt sie ihnen offenbar mehr Unabhängigkeit und Flexibilität.

Selbstbewusstsein groß, Statusdenken klein

Nach Beobachtung von langgedienten Kollegen hat sich die Sicht junger Anwältinnen und Anwälte auf eigene Tätigkeit und Rahmenbedingungen nachhaltig gewandelt. Bereits im Bewerbungsgespräch klopft der Nachwuchs Arbeitsplatz- und -zeitmodelle oder auch die Möglichkeit eines Sabbatjahres ab. Die heutige Generation zeigt sich selbstbewusst und unabhängig, legt dafür weniger Wert auf Statussymbole wie Einzelbüro oder Dienstwagen.

 

Work-Life-Balance wichtiger als Top-Karriere

Junge Berufseinsteiger haben dezidierte Vorstellungen davon, wie sie arbeiten wollen. Die Alterskohorte, die nun auf den Arbeitsmarkt strömt, ist einerseits karrierebewusst. Auf der anderen Seite ist ihr eine gute Vereinbarkeit von Job, Familie und Freizeit überaus wichtig. Tatsächlich haben die Nachwuchsjuristen die Wahl: Unternehmen, Verwaltung und Justiz konkurrieren um die besten Köpfe. Deren Zahl wird allerdings zunehmend kleiner.

 

Weniger Absolventen, steigende Job-Chancen

Während noch vor 20 Jahren über 10.500 Studenten das zweite Staatsexamen machten, waren es 2017 nur noch etwa 7.500. Gleichzeitig sorgt der demografische Wandel dafür, dass in den kommenden Jahren tausende Stellen allein in der Justiz freiwerden. Für die Absolventen sind nichtanwaltliche Arbeitgeber ganz generell verlockend, versprechen sie ihnen doch ein selbstbestimmtes Arbeiten – zum Nachteil klassischer Kanzleien?

 

Exponentielles Wachstum der Syndikus-Zahlen

Die Statistik spricht dafür: Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der als Syndikus-Rechtsanwälte zugelassenen Unternehmensjuristen laut der Erhebung der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) stark an. Waren es 2018 noch 1.982 Syndikusanwälte, sind es heute 3.631 – beinahe eine Verdoppelung binnen zwei Jahren. Die Zahl der auch als Rechtsanwälte doppelt zugelassenen Syndizi stieg im selben Zeitraum von 12.126 auf 15.475 Personen.

 

Unternehmen punkten mit Familienfreundlichkeit

Wie in einer Pressemitteilung der BRAK weiter deutlich wird, sind 55,72 Prozent der reinen Syndikusrechtsanwälte weiblich. Der Frauenanteil bei reinen Rechtsanwaltszulassungen liegt hingegen nur bei 34,14 Prozent. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich Familie und Beruf tendenziell eher in der Rechtsabteilung als in einer Kanzlei miteinander vereinbaren lassen. Manche Unternehmen haben sogar Betreuungsangebote für die kleinen Racker.

 

Einführung des Syndikusanwalts treibt Zahlen

Den Boom bei Syndikus-Zulassungen erklären Experten unter anderem damit, dass noch sehr viele Rechtsanwälte angestellt in einem Unternehmen arbeiten. Sie genießen ihren Bestandsschutz aus der Zeit vor der Einführung des Syndikusrechtsanwalts. Im Fall einer Tätigkeitsveränderung müssen diese Juristen aber eine neue Zulassung beantragen – in der Konsequenz ist es im Unternehmen dann jene als Syndikusrechtsanwalt.

 

Mehr Führungspositionen für weibliche Syndizi

Ungeachtet dessen erscheint die Arbeit als Syndikus-Anwalt zunehmend attraktiv. Vielen Kanzleien steht im Wege, dass sie auf das Partnermodell fixiert, Arbeitszeiten selten gut planbar und sie selbst wenig auf Familien ausgerichtet sind. Und noch ein weiterer Punkt ist für die Wahl der Zulassung entscheidend: Vor allem Großunternehmen haben bereits Konzepte entwickelt, wie Frauen in Führungspositionen besser gefördert werden können.

 

Mehr über den anhaltenden Boom bei Syndikus-Zulassungen, die Hintergründe sowie die Prognosen lesen Sie in der Ausgabe 5/20 des unternehmensjurist ab Seite 44.

Bildnachweise: © imago images / agefotostock

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