Rechtliche Themen mit Leben füllen

Das neue Jahr startete mit großem Erfolg – auf dem General Counsel Kongress im Steigenberger Hotel am Kanzleramt in Berlin. Mit Vorträgen, intensivem Austausch und einem neuen Networking-Format wurde das Event seiner Rolle als Impulsgeber für die Rechtsabteilungen mehr als gerecht.
vom 6. März 2026
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Der 5. Deutsche General Counsel Kongress 2026 hat gezeigt, wie dynamisch sich die Rolle von Unternehmensjuristinnen und -juristen weiterentwickelt. In einer Zeit, in der rechtliche Rahmenbedingungen komplexer werden und Transformation nahezu alle Branchen prägt, braucht es Orte für persönlichen Austausch, Orientierung und gemeinsame Reflexion. All das vereinte die Veranstaltung am 27. und 28. Januar in Berlin, auf der das Deutsche Institut für Rechtsabteilungen und Unternehmensjuristen rund 200 Gäste begrüßen durfte. Unter dem Leitgedanken „Leadership – Innovation – Impact“ kamen General Counsel sowie Heads of Legal & Compliance aus Unternehmen unterschiedlicher Branchen zusammen. Ergänzt wurde der Kreis durch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte von Sozietäten sowie durch Dienstleister aus dem Rechtsmarkt. Viele Teilnehmer kennen sich bereits von früheren Events, die Freude über das Wiedersehen war entsprechend groß. Gleichzeitig wurden neue Kontakte geknüpft und das berufliche Netzwerk wurde so erweitert. Der Kongress bot damit nicht nur ein Programm mit Fachvorträgen, sondern auch eine Plattform für Perspektivwechsel und interdisziplinären Dialog. Einen besonderen Auftakt des General Counsel Kongresses bildete die neu eingeführte Networking-Session am Vorabend des Kongresstages. Mehr als 100 General Counsel diskutierten an zwölf thematisch fokussierten Tischen aktuelle Praxisfragen – konzentriert, offen und lösungsorientiert. Das neue Format stieß bei den Teilnehmenden auf große Resonanz. Der intensive Austausch in ungezwungener Atmosphäre, die Vielfalt der Themen und die Offenheit der Diskussionen verdeutlichten: Der persönliche Dialog ist und bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor für die Rechtsfunktion.

Im Anschluss daran setzte die Dinnerspeech einen politischen Akzent. Aus dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz war Staatssekretärin Eva Schmierer zu Gast. Als Vertreterin von Bundesministerin Dr. Stefanie Hubig richtete sie persönliche Worte an die Teilnehmenden und unterstrich die Bedeutung leistungsfähiger Rechtsabteilungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Schmierer ging zunächst auf den Bürokratieabbau als zentralen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit ein. Die Bundesregierung arbeite daran, rechtliche und administrative Prozesse zu vereinfachen, Berichtspflichten zu reduzieren und Unternehmen spürbar zu entlasten. Ziel sei ein verlässlicher Rechtsrahmen, der Innovation ermögliche, statt sie zu behindern. Ein weiterer Schwerpunkt ihres Grußwortes: die Digitalisierung der Justiz. Digitale Verfahren, elektronische Aktenführung und effizientere Abläufe sollen Gerichte entlasten und zugleich Planbarkeit, Geschwindigkeit und Rechtssicherheit für Unternehmen erhöhen. Zuversichtlich äußerte sich Schmierer auch zur wirtschaftlichen Entwicklung. Gerade in herausfordernden Zeiten sei die enge Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft entscheidend. Dazu tragen Rechtsabteilungen ihren Teil bei. Das Grußwort setzte damit einen konstruktiven, zukunftsorientierten Ton zum Auftakt der Veranstaltung. Am Morgen des 28. Januar läutete Prof. Dr. Stephan Wernicke, General Counsel der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), mit einer pointierten Keynote den Kongresstag ein. Er setzte bewusst einen Kontrapunkt zu den politischen Botschaften des Vorabends. Wernicke widersprach der Einschätzung einer spürbaren wirtschaftlichen Erholung. Aus Sicht vieler Unternehmen zeichne sich vielmehr ein anderes Bild: steigende Arbeitslosigkeit, Investitionszurückhaltung und Stellenabbau, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. Die vergleichsweise stabile Beschäftigung sei vor allem dem öffentlichen Sektor geschuldet, nicht einer strukturellen Erholung der Privatwirtschaft. Wachstum, so Wernicke, lasse sich nicht politisch verordnen, sondern entstehe nur durch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Eine starke Rechtsordnung müsse Orientierung bieten, statt zusätzliche Komplexität zu schaffen. Bürokratieaufbau, zunehmende Berichtspflichten und Detailregulierung hemmten Innovation und unternehmerische Handlungsfähigkeit. Besonders betonte er die Notwendigkeit eines konsequenten Bürokratieabbaus sowie einer echten Digitalisierung von Staat und Justiz. Rechtspolitik müsse Verfahren beschleunigen, Planbarkeit erhöhen und Wachstum ermöglichen. Seine Rede wirkte wie ein Weckruf – der Startschuss des Kongresstags war gefallen.

Von Chancen und Herausforderungen

Das Vortragsprogramm spiegelte die Vielfalt und Komplexität der aktuellen Herausforderungen von General Counsel, Heads of Legal und Chief Compliance Officer wider: von strategischer Unternehmensführung über Legal Tech, Künstliche Intelligenz, Datenschutz und die Regulierungsflut bis hin zu Governance-Fragen. Mit dieser Auswahl trafen die Veranstalter einen Nerv, denn die Vorträge führten allesamt zu intensivem Austausch im Publikum. Ein thematischer Schwerpunkt lag auf der Mitgestaltung der Unternehmensstrategie und der Rolle der Rechtsabteilung als strategische Partnerin im Unternehmen. Die Diskussionen reichten dabei von der Vision einer Rechtsabteilung 2030 über konkrete Handlungsempfehlungen zur Transformation rechtlicher Funktionen bis zu Erfahrungsberichten, wie Rechtsabteilungen künftig wirksam, agil und zukunftsorientiert aufgestellt werden können. Praxisnahe Impulse gaben Sessions wie die Post-Closing-Praxis, in der Erfahrungswerte bei Eigentümerwechseln auf internationaler Bühne beleuchtet wurden. Der Vortrag zum Thema Recruiting & Retention griff Personalstrategien im Wettbewerb um Talente auf. Einige Sessions setzten sich mit dem starken Regulierungsdruck auseinander. Die Referierenden widmeten sich Dauerthemen, mit denen sich Recht und Compliance seit Jahren beschäftigen: Aktuelle Entwicklungen zu Lieferkette, CSRD, CSDDD und Omnibus-Regulierung wurden ebenso aufgegriffen wie die künftigen Anforderungen bei Exportkontrolle und Sanktionen – ein Thema von hoher strategischer Relevanz angesichts globaler Unsicherheiten. Aktuelle rechtspolitische und technologische Entwicklungen wie beispielsweise New Age of Data Ownership waren ebenso Thema in Sessions wie Aktivitäten der Gesetzgeber wie etwa der Data Act.  Viel diskutiert wurde auch über den Einsatz von KI im Unternehmen und in Rechtsabteilungen. Hier wurden nicht nur regulatorische Rahmenbedingungen analysiert, sondern auch konkrete Risiken, Chancen und Handlungsempfehlungen für die Praxis adressiert. Auf dem Kongress wurde auch über den Tellerrand geschaut. Beispielsweise haben Referierende die Kommunikation mit anderen Abteilungen, Recruiting oder das Spannungsfeld zwischen digitaler Markenkommunikation und rechtlicher Absicherung thematisiert. Außerdem standen Sessions zur Dauerbaustelle Datenschutz an, wo General Counsel Strategien für effiziente Steuerung und Governance entwickelten. Schließlich rundeten tiefgreifende Themen wie Produkthaftung im Wandel und die Bekämpfung der Cyberkriminalität aus Sicht des BKA das Programm ab und zeigten, wie breit das Themenspektrum für Unternehmensjuristen heute ist – stets mit dem Fokus auf praktische Relevanz, interaktive Auseinandersetzung und kollegialen Austausch. Insgesamt veranschaulichten die Referentinnen und Referenten die Anforderungen an moderne General Counsel anhand konkreter Praxiserfahrungen und erweckten somit die Themen zum Leben. Die anschließenden Diskussionsrunden zeigten deutlich, wie hoch der Bedarf an Austausch ist.

Ein voller Erfolg

Die Vorträge bildeten die Bandbreite an Fragestellungen ab, mit denen Rechtsabteilungen in ihrem beruflichen Alltag aktuell konfrontiert sind – und eröffneten Raum für unterschiedliche Perspektiven und Meinungen. Besonders spürbar war dabei die Offenheit, mit der Referierende und Teilnehmende ihre Erfahrungen teilten, Positionen hinterfragten und gemeinsam neue Ideen entwickelten. Der 5. Deutsche General Counsel Kongress war damit weit mehr als eine Reihe hochkarätiger Vorträge. Er war ein lebendiger Dialog – geprägt von intensiven Gesprächen, wertvollen Begegnungen und einem starken Netzwerkgedanken, der weit über die Veranstaltung hinauswirkt.

Natalia Maucher

Beitrag von Alexander Pradka

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