Mitarbeiter-Feedback: Software kann Gespräch nicht ersetzen

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Mitarbeiter-Feedback: Software kann Gespräch nicht ersetzen

Für viele Führungskräfte sind Mitarbeitergespräche wie Zahnarztbesuche: Jedem ist klar, dass sie notwendig sind, trotzdem würde man liebend gern darum herumkommen. Genau das versprechen digitale Feedback-Programme. Sie werben mit größtmöglicher Fairness und Anonymität. Kommunikative Kompetenz kann die Software jedoch nicht ersetzen.

Feedback-Gespräche stellen sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter vor ein Dilemma. Sie sollen möglichst offen und ehrlich geführt werden, können jedoch im schlimmsten Fall Beziehungen nachhaltig stören. Hierbei den richtigen Ton anzuschlagen und Betroffene in konstruktiver Weise zu kritisieren, liegt beileibe nicht jedem. Ob eine Beurteilung als Hilfe oder als Angriff empfunden wird, hängt stark von der Art der Gesprächsführung ab.

 

Feedback-Gespräche sind wertvolle Lernchancen

Nach Beobachtung von Personalberatern sind jüngere Jahrgänge eher bereit, Feedback anzunehmen, sie fordern es oft geradezu ein. Dennoch können auch sie sich bisweilen auf den Schlips getreten fühlen. Empathische Chefs wissen, wer wie gestrickt ist. Unbestritten ist, dass Beschäftigte, die regelmäßig Feedback und damit Lernchancen erhalten, sich als Mitarbeiter schneller in die aus Sicht des Unternehmens gewünschte Richtung entwickeln.

 

Software-Lösungen haben im Grunde zwei Ansätze

Um die Klippen der persönlichen Konfrontation zu umschiffen, hat sich ein Markt für eine spezielle Feedback-Software etabliert. Einige Anbieter setzen bewusst auf den Schutz der Anonymität, um möglichst viele ehrliche Rückmeldungen zu erhalten. Die Antworten sind dann als allgemeines Stimmungsbarometer zu werten. Andere verteilen das Feedback breit, um eine durch allzu große Offenheit ausgelöste Frustration im Keim zu ersticken.

 

Feedback führt oft nicht zwingend zu einem Wandel

Aus der Summe an Rückmeldungen im Rahmen einer 360-Grad-Befragung ergibt sich ein umfassendes Bild des Beurteilten, das dieser – so die Hoffnung – leichter annehmen kann als das Feedback eines einzelnen Vorgesetzten. IT-Konzerne wie Google oder Amazon arbeiten bevorzugt mit solchen Lösungen. Doch das Grundproblem, dass Rückmeldungen über Leistung und Handlungsweisen nicht kausal zwingend einen Wandel bewirken, bleibt.

 

Persönlichkeitsentwicklung muss im Zentrum stehen

Die Bereitschaft zum Verständnis und, daraus folgend, zu einer Verhaltensänderung, ist eng gekoppelt an die Art, wie die Botschaft überbracht wird. Mitarbeiter-Feedback sollte einfühlsam erfolgen und wertschätzend sein. Die Interaktion muss in einer Weise auf die Person zugeschnitten sein, wie man es mit Software nicht erreichen kann. Kernziel eines solchen Gespräches ist nicht Leistungsbeurteilung, sondern Persönlichkeitsentwicklung.

 

Anonymität verleitet schnell zu ungehemmten Attacken

Dafür braucht es zwingend eine Atmosphäre gegenseitigen Respekts und Vertrauens. Ein IT-gestütztes Tool vermittelt weder das eine noch das andere. Der Schutz der Anonymität erweist sich in der Praxis sogar als kontraproduktiv: Die Kritik ist oft völlig überzogen, statt ehrlicher Rückmeldung setzt es unkontrollierte Attacken, die den realen Verhältnissen im Unternehmen nicht gerecht werden und mitunter sogar nachhaltig Schaden anrichten.

 

Stimmung, Haltung und Zwischentöne entscheidend

Praktiker sind sich in der Einschätzung einig, dass eine IT-Lösung niemals das persönliche Gespräch ersetzen kann. Schließlich ist jedes Feedback vor allem von Haltung, Stimmung und Zwischentönen geprägt – mit dem Bemühen um ein aufrichtiges und menschliches Miteinander. Und davon profitieren die Unternehmen am Ende mehr als von einer nur auf den ersten Blick günstigen, vermeintlich konfliktarmen Software-Lösung.

 

Mehr über Vor- und Nachteile von Feedback-Software und den Erfahrungen von Syndizi damit in der Praxis lesen Sie in der Ausgabe 5/20 des unternehmensjurist ab Seite 48.

Bildnachweise: © imago images /  Shotshop

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