M&A bei KMU

Unternehmensjurist

Die Dinge nicht persönlich nehmen

Kleine und mittelständische Unternehmen verfügen bei M&A-Transaktionen in der Regel weder über die nötigen Strukturen noch über Know-how und Erfahrung. Im Vergleich zu Konzernen stellen Verkäufe und Übernahmen sie vor größere Herausforderungen. Für den Erfolg entscheidend ist, grundlegende Regeln zu beachten und klar zu kommunizieren.

Weil sie M&A-Transaktionen regelmäßig durchführen, leisten sich Organisationen in einer Konzernstruktur interne Unternehmensberatungen oder mindestens auf M&A spezialisierte Abteilungen. Diese verfügen über erhebliche Ressourcen, gebündelte Kompetenzen und intensive Erfahrung. Anders sieht es in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) aus: Oft kommen Verkäufe und Übernahmen eher zufällig auf die Tagesordnung.

 

M&A für KMU mal Chance, mal Exit

Das gilt etwa, wenn bei der Nachfolgefrage die Kinder oder andere Mitglieder der Familie ausscheiden. Oder aus gesundheitlichen Gründen müssen Teile des Geschäfts – oder der gesamte Betrieb – veräußert werden. Vielfach nutzen die Unternehmer aber auch einfach Chancen, die sich ihnen bieten, um ihre Marktposition zu stärken oder auszubauen. Zum Teil wird schlicht Kapital oder Know-how eingekauft, um eine kritische Größe zu erreichen.

 

Experten bereits früh einbeziehen

Vor allem aus Kostengründen, manchmal auch aus persönlicher Eitelkeit, werden externe M&A-Profis häufig erst hinzugezogen, wenn eine Transaktion bereits läuft. Experten raten aber dazu, schon in der Entscheidungs- und Vorbereitungsphase die steuerliche Situation des Unternehmens so zu gestalten, dass es keine Nachteile erfährt. In aller Regel macht das zwar der Steuerberater, doch Anwälte setzen es in der Praxis vertraglich um.

 

Sensibelste Daten erst zum Schluss

Ist ein Verkauf geplant, stellt sich die Frage, ob, wann und in welchem Umfang konkrete Zahlen und Interna offenzulegen sind. Eine Grundregel lautet: Je sicherer die Transaktion, desto sensibler können die Daten sein, die herausgegeben werden – mit den sensibelsten ganz am Schluss. Vertragsstrafen schützen nur bedingt vor Missbrauch. Sie haben eine abschreckende Wirkung, sind aber wegen des schwierigen Nachweises nur wenig effektiv.

 

Emotionale Aspekte kritischer Faktor

Viele mittelständische Unternehmer betrachten ihr Geschäft als Lebenswerk. Daher sind bei inhabergeführten Firmen insbesondere emotionale Aspekte ein kritischer M&A-Faktor. Externe Begleitung bringt Sachlichkeit ins Thema. Bei der Vertragsgestaltung ist dennoch ein großes Maß an Pragmatismus und Fingerspitzengefühl gefragt. Als hinderlich erweist sich, dass Unternehmer mitunter ihre Zahlen nicht immer zu 100 Prozent in Griff haben.

 

Valide Zahlenbasis zwingend geboten

Sie sind exzellent auf ihrem Gebiet, verlieren im Kaufmännischen bisweilen allerdings die Details aus dem Auge. So kommt es vor, dass sie beim Reporting nacharbeiten müssen. Auch Qualität und Verfügbarkeit von Daten sind suboptimal. Eine valide Zahlenbasis ist jedoch zwingend für Unternehmensbewertung und Kaufpreis. Nicht selten haben Inhaber einen anderen Blick auf ihre Firma, entsprechend höher fallen ihre Preisvorstellungen aus.

 

Internationale Transaktionen schwierig

Ein Sonderfall für KMU sind internationale Transaktionen. Während große Unternehmen den Kontakt zu Anwälten über die jeweilige Tochtergesellschaft herstellen können, hat der typische deutsche Mittelständler diese Möglichkeit nicht. Ebenso ist die Beraterauswahl in der Regel durch die Reichweite der eigenen Firma limitiert. KMU sollten auf Netzwerke und Empfehlungen vertrauen, um Grundwissen über das jeweilige Land aufzubauen.

 

Offen kommunizieren, Chancen aufzeigen

Besonders fordert nach einer Akquise die Verzahnung der verschiedenen Philosophien und Kulturen kleine wie große Unternehmen heraus. Das gilt auch für den Prozess des Change-Managements. Für entscheidend halten Experten, Ängste ernst zu nehmen, vor allem aber neue Chancen aufzuzeigen, um Frustrationen zu begegnen. Das bedingt die offene Kommunikation mit den eigenen Mitarbeitern – und zwar vom ersten Tag an.

 

Mehr zum Thema und wichtige Empfehlungen von Juristen für KMU im Umgang mit M&A-Themen lesen Sie in der Ausgabe 3/20 des unternehmensjurist ab Seite 34.

Bildnachweise: © imago images / Panthermedia

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