Internet of Things: Syndizi legen Fundament für Vertrauen

Trends & Themen  Unternehmensjurist

Internet of Things: Syndizi legen Fundament für Vertrauen

Digitale Plattformen bieten der traditionell fertigungsstarken deutschen Industrie enormes Potenzial, um sich in einer zunehmend vernetzten Welt zukunftsfähig zu machen. Hierbei sind Unternehmensjuristen systemrelevant: Mit transparenten Governance-Strukturen und passgenauen Verträgen legen sie die Grundlage für Netzwerk- und Skaleneffekte.

Der wirtschaftliche Wert digitaler B2B-Plattformen besteht in der gemeinsamen Big-Data-Auswertung von gesammelten Informationen aus Maschinen oder Fahrzeugen. Alle sollen profitieren, indem sie die Daten aus den Sensoren intelligenter Geräte gemeinsam nutzen. Dies hilft Herstellern und Geschäftskunden, die Performance ihrer Produkte zu optimieren. Zugleich können sie sich neue Einnahmequellen durch innovative Services erschließen.

 

Verunsicherung mit Blick auf Datenschutzregeln

Doch zahlreiche Unternehmen bleiben zurückhaltend, unter anderem wegen rechtlicher Unsicherheiten etwa beim Datenschutz. Sensordaten aus Maschinen oder Fahrzeugen lassen sich gemäß Datenschutz-Grundverordnung nur für neue Angebote nutzen, wenn Einwilligung oder berechtigtes Interesse vorliegen – oder sich kein Personenbezug durch den Schichtplan einer Fabrik oder die GPS-Daten des Navigationssystems herstellen lässt.

 

EU-weit kein Eigentumsrecht an Informationen

Laut Experten hemmen vor allem die Furcht vor Kontrollverlust und hohe Haftungsrisiken den schnellen Aufbau digitaler Plattformen als Voraussetzung für das Internet der Dinge (IoT). Die zentrale Frage für die Partner dieser neuen Wertschöpfungsmodelle lautet: Wer darf die Daten aus den Millionen Sensoren wie nutzen? Die EU-Kommission hat bereits Signale ausgesendet, dass es kein gesetzliches Eigentumsrecht an Daten geben wird.

 

Plattformen stellen Syndizi vor Herausforderungen

Ungeachtet dessen ist für Unternehmensjuristen eine der Herausforderungen bei B2B-Plattformen, dem eigenen Haus in den „Terms of Use“ alle erforderlichen Zugriffs- und Nutzungsrechte zu sichern. Die Frage, welche Daten in welcher Qualität zu welchem Zeitpunkt benötigt werden, bedingt zum Beispiel auch, sich mit dem Open Platform Communications (OPC)-Standard zur herstellerunabhängigen Kommunikation in der Automatisierungstechnik zu beschäftigen.

 

Unternehmen wollen Betriebsgeheimnisse schützen

Nicht zuletzt aus Furcht um ihre Betriebsgeheimnisse schrecken viele Unternehmen vor einer Zusammenarbeit auf Plattformen zurück. Als Industriestandort ist Deutschland für Cyber-Angriffe besonders exponiert, und entsprechend groß ist die Sorge. Klar definierte Verhaltensregeln und ein Code of Conduct können hier Schutz bieten. Ebenso spielt die Governance eine bedeutende Rolle für die wettbewerbsrechtliche Compliance.

 

Wahl des jeweiligen Plattformmodells entscheidend

Eine wichtige Weichenstellung stellt die Wahl des Vertriebsmodells dar. Betreiber haften nicht bei einer reinen Vermittlung, weil in diesem Fall der Kooperationspartner Leistungen im eigenen Namen über die Plattform anbietet. Wer sich an einer Plattform beteiligen will, sollte deshalb auf eine Haftung des Betreibers als Zwischenhändler hinwirken, empfehlen Experten. Die Nutzer der Plattform haften in diesem Fall nur für ihre Mitwirkungspflichten.

 

Syndizi fällt in Plattformökonomie Schlüsselrolle zu

IoT-Plattformen haben häufig viele internationale Partner, und so steht die Regelung der Haftung für den Spagat zwischen Agilität und Rechtssicherheit, den Syndizi zu bewältigen haben. Um die neuen Geschäftsmodelle in passgenaue Verträge zu gießen, müssen sie zudem die Möglichkeiten zur Monetarisierung von Daten verstehen. Am Ende ist es in der Plattformökonomie an ihnen, intern Vertrauen aufzubauen und Sicherheit zu geben.

 

Mehr zur neuen Plattformökonomie und den Erfahrungen von Unternehmensjuristen in der rechtlichen Weichenstellung lesen Sie in Ausgabe 4/20 des unternehmensjurist ab Seite 24.

Bildnachweise: © imago images / Panthermedia