Gleichstellung in Führungsetagen: Report fordert ambitionierteres Gesetz

Arbeitsrecht  Job & Karriere  Unternehmensjurist

Gleichstellung in Führungsetagen: Report fordert ambitionierteres Gesetz

Um in Deutschland den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, gilt seit 2016 eine Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in etwa 100 großen Unternehmen. Im europäischen Vergleich stehe dies eher für Symbolpolitik als für tatsächlichen Veränderungswillen, kritisiert eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Selbst Kritiker attestieren, dass das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) seit Inkrafttreten Wirkung entfaltet hat. Ein echter Kulturwandel sei damit hierzulande aber nicht verbunden gewesen. Ein Grund mag in der abstrakten Zielgrößenverpflichtung für börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen liegen – neben der festen Quotenvorgabe für Aufsichtsräte die zweite Säule.

 

Im europäischen Vergleich unambitioniert

Die Zielgrößenverpflichtung sieht keine Mindestzielgrößen vor. Unternehmen können ihre eigenen Ziele definieren. Als untere Grenze für die Zielquote gelten jedoch 30 Prozent. Im Rückblick wird daher zunehmend die Frage laut, ob mit dem Gesetz wirklich ein genügend großer Schritt hin zu mehr Gleichstellung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft gelang. Innerhalb Europas scheint der Ambitionsgrad Deutschlands offenbar eher gering.

 

Maßnahmen kaum mehr als Symbolpolitik

Dieses Fazit zieht der aktuelle Mitbestimmungsreport des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Demnach habe Deutschland „eine Geschlechterquote verabschiedet, die eher eine Symbolpolitik als wirklichen Veränderungswillen im Vergleich zu anderen Ländern dokumentiert“. Insgesamt zehn europäische Staaten waren in die tiefere Analyse des I.M.U. einbezogen worden.

 

Bestnoten für Norwegen, Italien, Portugal

Sie alle hatten per Ende 2019 eine gesetzlich verbindliche nationale Geschlechterquote für Vorstände und/oder Aufsichtsräte verabschiedet. Mittels vier gewichteter, jeweils mit einer Punktzahl versehener Quotenmerkmale erstellte das I.M.U. ein Ranking, mit der Ziffer „5“ als Höchstwert. In diesem Ranking belegt Deutschland mit 1,85 Punkten den letzten Platz, hinter Österreich und den Niederlanden. Norwegen, Italien und Portugal setzen das Maß.

 

Deutsche Quotenregelung fällt deutlich ab

Schon 2003 führte Norwegen als weltweit erstes Land eine Quote ein. Beide Geschlechter müssen im Verwaltungsrat mit mindestens 40 Prozent repräsentiert sein, sowohl in allen börsennotierten Unternehmen als auch in solchen im Staatsbesitz. Die Sanktionen, die bis zur Auflösung eines Unternehmens gehen können, sind besonders scharf. Die deutsche Regelung erfüllt in der vorliegenden Vergleichsanalyse den geringsten Qualitätsstandard.

 

Homogene Regelung für Europa angemahnt

Das I.M.U. bilanziert: „Für Deutschland ist zu testieren, dass es dringend einer Ausweitung der quotengebundenen Unternehmen bedarf.“ Bei der Erweiterung des Geltungsbereichs auf die Vorstandsebene und auch bei der Verpflichtung einer größeren Anzahl von Firmen seien zudem die Sanktionen zumindest auf finanzielle Strafen zu verschärfen, empfehlen die Studienautoren. Zugleich mahnen sie eine homogene Mindestregelung in Europa an.

Bildnachweise: © imago images / Shotshop

Schon Mitglied? Jetzt Freikarte sichern!

Praxisnahe Fachsummits exklusiv für Unternehmensjuristen

Mitglied werden!