Digitalisierung verändert die Medizin

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Digitalisierung verändert die Medizin

Software stellt Diagnosen, Roboter führen das Skalpell und die Krankengeschichten sind elektronisch abrufbar: Moderne Technologien und künstliche Intelligenz halten Einzug im deutschen Klinikalltag. Doch Digitalisierung und damit verbundene Rechtsfragen fordern Syndizi im Gesundheitswesen heraus. Im Brennpunkt stehen Haftung und Datenschutz

In der Medizin prallen derzeit alte und neue Welt aufeinander. Einerseits verfassen Ärzte viele Notizen noch handschriftlich, haben E-Mails die Briefe und Faxe noch längst nicht ersetzt, und auch die elektronische Patientenakte fristet ein Nischendasein. Andererseits brechen sich Digitalisierung und Industrie 4.0 in der Medizin sukzessive Bahn. Modernste Technik hält Einzug in Krankenhäusern – und erleichtert Ärzten wie Patienten das Leben.

 

Digitale Technologien steigern Patientenwohl

Laut Umfrage des Digitalverbands Bitkom und des Ärzteverbands Hartmannbund sieht die Mehrzahl der Mediziner die Digitalisierung als Chance für die Gesundheitsversorgung. Demnach sagen 67 Prozent, dass Praxen und Krankenhäuser ihre Kosten mithilfe digitaler Technologien senken können. 62 Prozent erwarten von letzteren eine bessere Prävention, und jeder Dritte geht davon aus, dass sie die Lebenserwartung der Menschen verlängern.

 

System schafft innovationsfeindliches Klima

Doch noch immer werden zahlreiche Kliniken in Deutschland wie Behörden geleitet und nicht wie Unternehmen geführt. Als Konsequenz mangele es an digitaler Vision und Strategie, monieren Kritiker. Die pauschalierte und gedeckelte Krankenhausfinanzierung lasse überdies keine echten Investitionen zu. Mitunter scheiterten gute, kostengünstige und teils selbst entwickelte Lösungen unter anderem an den Datenschutzbestimmungen.

 

Gesundheitssektor international abgehängt

Im Ergebnis hinkt der Gesundheitssektor in Sachen Digitalisierung hierzulande nicht nur im internationalen Vergleich, sondern auch im Vergleich mit anderen Branchen noch weit hinterher. Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge belegt Deutschland den 16. Platz von 17 untersuchten Ländern. Maßgeblich dafür sind vor allem die schlechte tatsächliche Nutzung von Daten und der niedrige Reifegrad von Digital-Health-Anwendungen.

 

Internationale Anbieter meiden Deutschland

Ein Faktor, der die Entwicklung hemmt, ist die föderale Struktur. Weil die Bundesländer unterschiedliche Ansätze verfolgen, fehlt eine einheitliche Lösung. Experten sehen darin einen Grund, warum internationale Anbieter von Digitalisierungs- und Telematik-Lösungen einen Bogen um Deutschland machen. Schließlich ist der Aufbau von vielen kleinen Infrastrukturen weniger rentabel als die Schaffung einer zentralen landesweiten Lösung.

Gesundheitsministerium mit neuer Initiative

Mit einer neuen Gesetzesinitiative will das Bundesgesundheitsministerium künftig auch Apotheken und Krankenhäuser – letztere bereits zum 1. Januar 2021 – verpflichten, sich an die Telematik-Infrastruktur anzuschließen, um digitale Angebote zu ermöglichen. Problematisch ist jedoch, dass derzeit die notwendigen technischen Voraussetzungen oft noch nicht hinreichend vorhanden sind. Auch grundlegende Rechtsfragen sind ungeklärt.

 

Digitalisierung hält enorme Chancen bereit

So muss im Vorfeld definiert werden, bei wem die Datenhoheit liegt und wie die besonders sensiblen persönlichen Informationen geschützt werden. Zudem müssen sich Syndizi im Gesundheitswesen mit Fragen der Haftung beschäftigen; am Ende bleibt der behandelnde Arzt verantwortlich. Einig sind sich Experten in ihrem Urteil: Losgelöst von strategischen und juristischen Erwägungen bietet die Digitalisierung allen Beteiligten große Chancen.

Mehr zum Thema sowie Erfahrungen von Syndizi im Umgang mit den neuen Technologien im Gesundheitswesen lesen Sie in der neuen Ausgabe 1/20 des unternehmensjurist ab Seite 14.

Bildnachweise: © iStock / miriam-doerr

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