Dienstreise ohne „A1“-Bescheinigung kann teuer werden

Arbeitsrecht  Job & Karriere

Dienstreise ohne „A1“-Bescheinigung kann teuer werden

Autor: Bijan Peymani

Wer geschäftlich in Europa unterwegs ist, sollte zwingend nachweisen können, dass er in Deutschland sozialversichert ist. Die so genannte „A1“-Bescheinigung muss vorab vom Arbeitgeber elektronisch beantragt werden. Doch fast jeder Zweite geht ohne sie auf Dienstreise. Wer die seit 2010 geltende EU-Vorschrift ignoriert, dem drohen hohe Strafen.

Einsatz im Ausland bedingt Sozialversicherungsbeiträge

Grenzüberschreitende Dienstreisen gehören zum beruflichen Alltag vieler Arbeitnehmer. Im sozialversicherungsrechtlichen Sinn handelt es sich bei diesen um eine „Entsendung“. Wer im Ausland im Einsatz ist – ob nur wenige Stunden oder mehrere Wochen –, müsste seine Sozialversicherungsbeiträge theoretisch auch dort abführen. Denn jedes Land, das gilt ebenso für die Europäischen Union (EU), hat sein eigenes Sozialversicherungssystem.

 

EU-Verordnung vermeidet seit 2010 Doppelbesteuerung

Die Institutionen der EU haben hier mit der Verordnung (EG) Nr. 883/2004bereits zum 1. Mai 2010 Klarheit geschaffen. Der Rechtsakt koordiniert die Sozialversicherungssysteme der Mitgliedsstaaten. Neben dem gesamten EU-Raum gilt die Verordnung auch für Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Seither hat jeder, der vorübergehend in einem der Staaten arbeitet, einen Versicherungsnachweis seines Heimatlandes mitzuführen.

 

„A1-Bescheinigung“ garantiert Recht des Heimatlandes   

Die vollständig lautende „A1-Bescheinigung über die anzuwendenden Rechtsvorschriften über soziale Sicherheit“ (kurz: „A1-Bescheinigung“) dokumentiert, dass ein in Deutschland beschäftigter und zeitweise im Ausland erwerbstätiger Arbeitnehmer weiter dem deutschen Recht unterliegt. Eine gleichzeitige Beitragszahlung in mehreren Ländern und ein Wechsel zwischen den Sozialversicherungssystemen werden mit diesem Nachweis vermieden.

 

Nachweispflicht im Geschäftsverkehr weithin unbekannt

Wer also für seinen hiesigen Arbeitgeber in eine europäische Niederlassung entsandt wird, eine Auslandsmesse besucht, zu Kunden nach Frankreich fährt oder zu Bankgesprächen nach Liechtenstein, ja selbst, wer während der Arbeitszeit den Dienstwagen kurz hinter der Grenze auftankt, benötigt faktisch eine „A1-Bescheinigung“. Diese Pflicht schließt übrigens verbeamtete Personen und Selbstständigeein. Doch die Unkenntnis darüber ist groß.

 

Nur jeder Vierte laut Umfrage mit Nachweis unterwegs

Das jedenfalls lässt eine Umfragevon Airplus International, Anbieter von Lösungen für das Business-Travel-Management, vermuten. Airplus hatte gut 700 Geschäftsreisende in neun Ländern zu Wissen und Handhabung der „A1-Bescheinigung“ befragt. Das Ergebnis: Nur jeder Vierte (27 Prozent) in Europa denkt bei einer Reise ins europäische Ausland immer daran, das Dokument mitzuführen; 24 Prozent haben es immerhin gelegentlich dabei.

 

Fast die Hälfte führt keine „A1-Bescheinigung“ mit sich

Dennoch erklären 44 Prozent der Befragten, nicht zu wissen, dass sie eine solche „A1-Bescheinigung“ auf Dienstreisen im Gepäck haben müssen. Vier Prozent der Reisenden halten sich trotz Kenntnis nicht daran. Mit anderen Worten: Laut Airplus-Umfrage ist fast jeder zweite Business Traveller ohne den Sozialversicherungsnachweis unterwegs. Das kann ernste Folgen haben, wenn die Sache bei einer Kontrolle auffliegt.

 

Teilweise überaus drakonische Strafen bei Verstößen

Im geringsten Fall könnte dem Betroffenen der Zugang zu Baustelle oder Messegelände verwehrt werden. Manche Länder erheben für jeden Tag, an dem eine Tätigkeit ausgeübt wird, Sozialversicherungsbeiträge. Und andernorts drohen saftige Bußgelder von bis zu 10.000 Euro, die (auch) gegen den Beschäftigten verhängt werden. Deshalb sollte man sich vor einer Reise informieren, zum Beispiel bei der Deutschen Rentenversicherung.

 

Kosten für Antrag pro Reisenden bei rund 70 Euro

„Der Aufwand für die Unternehmen ist enorm“, bedauertBirgit Hölzel, Country Manager Deutschland bei AirPlus. Das treffe sowohl den Geschäftsreisenden selbst als auch das gesamte Handling in den Unternehmen, die den elektronischen Antragsprozess bei der Krankenkasse entsprechend sicherstellen müssen. Die Kosten für einen Antrag taxiert Hölzel auf rund 70 Euro – pro Reise und Reisendem. Bestrebungen, die Nachweispflicht wieder abzuschaffen, liefen auf EU-Ebene bisher ins Leere.

Bildnachweise: © iStock/Jjoakimbkk